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Zu schlau für diese Welt - Gewinnspiele bei 9-Live

Man kennt das. Ein harter Tag liegt hinter einem, man zappt so durch das Fernsehprogramm und landet früher oder später auch bei dem Spielekanal 9-Live. Dort werden mehr oder weniger knifflige Aufgaben präsentiert. "Wer ruft da eigentlich noch an?" fragt man sich, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Anruf das Konto der Glücksritter mit 49 Cent belastet. Nachdem fünf Minuten lang noch immer keine richtige Lösung auf die Frage - die man natürlich längst gelöst hat - gefunden ist fragt man sich: "Warum rufe ich da eigentlich nicht mal an?"

Den beiden Klägern, die von 9-Live insgesamt 30.000,00 Euro an Siegprämie auf dem Gerichtswege einforderten, ist diese schwierige Entscheidung nun abgenommen. Sie können ihrem Glück nicht mehr bei 9-Live auf die Sprünge helfen.

Die Kläger, ein Mathematiker und ein Physiker, seien zu schlau. Vielleicht nicht für diese Welt, aber jedenfalls für den Sender 9-Live. Nachdem die beiden Kläger mehrfach erfolgreich bei dem Sender anriefen, und monatlich Preise in Höhe von 5.000,- Euro abräumten, ließ sie der Sender nicht mehr an den Gewinnspielen teilnehmen. Insbesondere zahlte der Sender Siegprämien nicht aus. Begründet wurde diese Maßnahme zunächst damit, dass die Telefonkosten für die Kläger ein zu hohes Maß erreichen könnten. Statt der Stimme einer Glücksfee ertönte daraufhin nur noch das Besetztzeichen.

Hiergegen richteten sich die Kläger zunächst mit einer Klage vor dem Landgericht München I, das allerdings dem Fernsehsender 9-Live Recht gab. Auch das Oberlandesgericht München sah dies so und führte aus, dass der Ausschluss von Teilnehmern dem Wirtschaftsunternehmen 9-Live nicht verwehrt werden kann, sofern an dem Ausschluss ein wirtschaftliches Interesse bestehe. Der Sender 9-Live sei darauf angewiesen, dass möglichst lange nach der richtigen Lösung gefahndet wird, damit sich das Spielkonzept finanziell rechne. Diesen wirtschaftlichen Hintergrund brächten die Kläger aber ins Wanken. Der Ausschluss sei somit durch die Privatautonomie gedeckt. Hinzu komme noch, dass der Sender 9-Live hinsichtlich der angebotenen Spiele gleichsam eine Monopolstellung aufweise, die nicht von den Klägern ausgenutzt werden dürfe. Hierbei sei das Monopol nicht etwa dem Monopol der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke gleichzusetzen. Die von 9-Live angebotene Leistung sei "zur Bedarfsdeckung einer normalen Lebensführung eines Durchschnittsmenschen nicht erforderlich".

(Trotz Physik- und Mathematikstudium, mit dieser Entscheidung hatten die Kläger nicht gerechnet.)

© Stefan Müller-Römer, Marco Schröder; Feb. 2005, alle Rechte vorbehalten; all rights reserved

 
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