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SCHUFA – Die fehlerhafte Datenbank

Nach einer Studie der Zeitschrift Finanztest sind die von der SCHUFA erhobenen und verwerteten Daten in vielen Fällen unvollständig. veraltet oder schlicht falsch. Fehler bei der SCHUFA wirken sich besonders nachhaltig auf den Alltag von Ver-brauchern aus, weil mehr als 4500 Vertragspartner der SCHUFA bei ihren Entschei-dungen auf die gefürchteten Kredit(un)würdigkeitsbewertungen zurückgreifen.

Wer ist die SCHUFA?

Entgegen eines weit verbreiteten Irrglaubens handelt es sich bei der "Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ (SCHUFA) nicht um eine staatliche Einrichtung sondern vielmehr um eine privatrechtliche Aktiengesellschaft.
Die SCHUFA ging 1927 aus der Berliner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft (BEWAG) hervor, welche sowohl Strom lieferte als auch Elektrogeräte verkaufte. Auf der Grundlage einer Positivliste erstellte die BEWAG ein Rückfragesystem der regelmä-ßig zahlenden Kunden. Wer bei der Bezahlung der Stromrechnungen nicht negativ auffiel, konnte beim Ratenkauf der Elektrogeräte von Vergünstigungen profitieren.

Dieses Geschäftsmodell der Erfassung von Zahlungsverhalten setzte die SCHUFA ab 1927 als ein von der BEWAG unabhängiges Unternehmen fort und wuchs rasant zu einer gigantischen Datensammelstelle. Im Jahr 2009 verfügte die SCHUFA über 462 Mio. Kreditinformationen zu 66 Mio. Privatleuten (im Vergleich zu 2005: 384 Mio. Informationen / 63 Mio. Personen).

Welche Daten sammelt die SCHUFA?

Für die Bewertung der Kreditwürdigkeit potenzieller Kunden verwendet die SCHUFA insbesondere einen sog. Score-Wert, der aus einer Vielzahl von Einzeldaten per Computer errechnet wird.
In den Score fließen die Daten von rund 4500 Vertragspartnern und den öffentlichen Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte ein. Neben Namen, Geburtsdatum und -ort, aktueller und ehemaliger Anschrift werden Informationen über Konten, Ratenkredite, Mobilfunk- sowie Kredit- oder Leasingverträge mit Betrag, Laufzeit und gegebenenfalls vorzeitiger Erledigung sowie fällige unbezahlte Forderungen ebenso erfasst. wie Informationen über eidesstattliche Versicherungen, Haftbefehle, private Insolvenzverfahren sowie Missbrauch von Giro-, Kreditkarten oder Kreditkonten.

Welche Auswirkungen haben schlechte Bewertungen auf den Verbraucher?

Der durchschnittliche Basisscore liegt laut SCHUFA bei 91 %. Bei einem Score von unter 90 %, werden Verbraucher mit einem „deutlich erhöhten bis hohen Risiko“ der Krediterfüllung bewertet. Eine solche Einstufung kann weitreichende Folgen für den Betroffenen haben. Denn Vermieter, Banken und sonstige Unternehmer wie Mobilfunkanbieter oder Versandhäuser schließen Verträge mit schlecht bewerteten Verbrauchern entweder gar nicht oder nur unter schlechteren Konditionen ab. Bei einem zu geringen Scoring wird somit die Wohnungssuche zur Qual, eine schlechte Kredit-Verzinsung ist zwangsläufig und Probleme beim Onlineshopping virulent.

Wie verlässlich sind die Scorings?

Die Zeitschrift Finanztest führte eine Untersuchung der Scorings durch und stellte der SCHUFA ein vernichtendes Zeugnis aus: laut Finanztest erhielten lediglich elf der insgesamt 89 Probanden einen vollständig korrekten „Basisscore“ übermittelt.

Verantwortlich für das schlechte Ergebnis sind in erster Linie fehlende Daten (28%) über Konten, Kreditkarten und Mobilfunkverträge. Darüber hinaus tragen auch veraltete Fakten (8%) und falsche Informationen (1%) zu fehlerhaften Einstufungen durch die SCHUFA bei.

Sind meine SCHUFA-Daten korrekt?

Seit dem 1. April 2010 sind alle Auskunfteien, d.h. neben der SCHUFA auch deren Konkurrenten accumio, Bürgel, Creditform, Deltavisa oder infoscore gesetzlich ver-pflichtet, einem Verbraucher auf Anfrage einmal im Jahr kostenlos Informationen über die jeweils gespeicherten Daten herauszugeben. Weiterhin müssen die Aus-kunfteien offenlegen, von wem die Daten stammen und an welche Firmen die Aus-kunfteien persönliche Daten herausgegeben haben.

Bis zum Herbst 2010 hatten bereits eine halbe Million Verbraucher von ihrem Aus-kunftsrecht Gebrauch gemacht. Nutzen auch Sie ihr Recht auf Auskunftserteilung gegenüber der SCHUFA und überprüfen die über Sie gespeicherten Daten!

Bei der Beantragung müssen Sie jedoch darauf achten, die perfide „Kostenfalle“ der SCHUFA zu umschiffen. Denn gratis – und für die Überprüfung der über Sie gespeicherten Daten erforderlich – ist lediglich die „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“, nicht hingegen die sog. „Bonitätsauskunft“. Der Bonitätsnachweis stellt eine Auskunft an Dritte dar und kostet beim ersten Mal 18,50 Euro.

Was Sie gegen falsche Einträge tun können

Die SCHUFA ist verpflichtet, falsche Daten zu korrigieren. Wenn in Ihrer Eigenaus-kunft bzw. der „Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz“ falsche Anga-ben enthalten sind, sollten Sie daher unbedingt eine schriftliche Beschwerde bei der SCHUFA einlegen. Fügen Sie dem Schreiben aber unbedingt Unterlagen bei, um den jeweiligen Fehler zu beweisen!

© Caspar Lenze, Stefan Müller-Römer, Nov. 2010, Alle Rechte vorbehalten

 
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