Tel.: 0221-272348 -0
Fax: 0221-272348 -99
Mail: kanzlei@wmrk.de
Wissenswertes
  · zu "Wissenswertes"
Abbruch von eBay-Versteigerung kann teuer werden

Sollten Sie einen wertvollen Gegenstand, z.B. ein Auto, online versteigern wollen, empfehlen wir Ihnen, die Versteigerung nicht vorher abzubrechen. Das wurde einem eBay-Nutzer nämlich zum Verhängnis:

Er bot seinen Gebrauchtwagen zum Mindestgebot von 1 € an. Jemand bot 1 € und setzte eine Preisobergrenze von 555,55 €. Einige Stunden später brach der Versteigerer die Auktion ab, weil er auf anderem Wege einen Käufer gefunden hatte. Der Bieter klagte daraufhin auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung des Kaufvertrages.

Der Bundesgerichtshof gab ihm in seinem Urteil vom 12. November 2014 – VIII ZR 42/14 – Recht. Der Vertrag sei nicht wegen Sittenwidrigkeit nichtig. Das grobe Missverhältnis zwischen dem Wert des Autos – 5.250 € – und dem Maximalgebot des Käufers – 555,55 € – lasse bei einer Internet-Auktion nicht auf eine verwerfliche Gesinnung schließen. Bei eBay sei gerade die Chance auf ein „Schnäppchen“ der besondere Reiz.

Auch rechtsmissbräuchliches Verhalten des Bieters, indem er bei einem 1 €-Vertrag für ein Auto Klage erhebt, liege nicht vor. Der Versteigerer sei dafür verantwortlich, dass es zu diesem Ergebnis kam, weil er kein Mindestgebot festsetzte und die Versteigerung abbrach, bevor mehr Gebote hätten folgen können.

Der Versteigerer muss daher den Wert des Autos abzüglich des Kaufpreises bezahlen, hier 5.249 €.

Fazit: Der Abbruch der Versteigerung führt zu denselben rechtlichen Wirkungen wie der reguläre Zeitablauf – Sie schließen einen bindenden Vertrag mit dem Höchstbietenden. Auch wenn der Höchstbietende nur 1 € geboten hat.

Sollten Sie selbst Opfer einer abgebrochenen Online-Versteigerung sein, empfehlen wir Ihnen, den Versteigerer unter Hinweis auf das BGH-Urteil an dem Vertrag festzuhalten.

Aber Vorsicht: Es gibt bestimmte Voraussetzungen, unter denen ein Abbruch nicht zum Vertragsschluss führt. Dazu zählt insbesondere der Abbruch nach wenigen Minuten wegen eines Irrtums, beispielsweise weil der Versteigerer sich vertippt hatte.

Wir beraten Sie gerne.

© November 2014, Juliane Kern, Stefan Müller-Römer, Alle Rechte vorbehalten
 
Kanzlei | Anwälte | Service | Portfolio