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Auch bei ebay gibt es keinen Porsche für 5,50 Euro

Das Landgericht Koblenz hat die Klage eines ebay-Käufers abgewiesen, der einen Porsche 911 Carrera mit Zubehör für 5,50 Euro ordnungsgemäß ersteigert hatte. Nachdem der Anbieter die Abwicklung des Geschäfts verweigert hatte, begehrte der Käufer mit seiner Klage einen Schadensersatz i.H.v. 75.000,- Euro (= Fahrzeugwert).

Der Fall lag tatsächlich so:
Dem Anbieter war beim Einstellen des Angebots bei ebay der Fehler unterlaufen, dass er das Mindestgebot versehentlich auf 1,- Euro festlegte. Dies bemerkte er sofort und leitete sofort das Auktionsende ein. Dieser Vorgang dauerte 8 Minuten, in denen der Käufer sein Gebot abgab. Laut AGB von ebay war jedoch der Kaufvertrag bereits zustande gekommen.

Nach Auffassung des Gerichts ist aber ein Anspruch aus diesem - auch nach Meinung des Gerichts - wirksamen Kaufvertrag gem. § 242 BGB (= Treu und Glauben) nicht durchsetzbar, weil dies rechtsmissbräuchlich sei.

Der Kläger konnte nicht davon ausgehen, dass sein Angebot von 5,50 Euro, das Höchstgebot für einen 1 Jahr alten Porsche 911 mit einer Laufleistung von ca. 5000 km sein würde. Er hatte daher keine schutzwürdige Rechtsposition erlangt. Zwar kann die Diskrepanz zwischen erreichtem Preis und dem Wert eines Artikels in einem von Angebot und Nachfrage regierten Markt grundsätzlich nicht dazu führen, dass die Durchsetzung eines „Schnäppchens“ als rechtsmissbräuchlich angesehen wird. Allerdings muss grds. eine Interessensabwägung durchgeführt werden, die in diesem Fall zu dem Ergebnis führe, dass eine Verurteilung zur Zahlung von Schadensersatz eine mit der Gerechtigkeit nicht zu vereinbarende Benachteiligung des Anbieters darstellen würde, so das Gericht.

© Stefan Müller-Römer, Juni 2009, Alle Rechte vorbehalten

 
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