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Der "Fall Caroline" in der praktischen Anwendung für Journalisten und Paparazzi

Das "Caroline-Urteil" des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) ist am 24.09.2004 rechtskräftig geworden. Für den Praktiker, gleich ob Juristen oder Medienschaffenden, stellt sich nunmehr die Frage nach der konkreten Umsetzung der Straßburger Entscheidung.. Hierzu einige fiktive Beispielsfälle:

Beispiel 1: Stefan Effenberg trifft sich mit seiner Ex-Frau in einem Restaurant. In diesem Fall wirkt sich das Straßburger Urteil unmittelbar aus. Es besteht kein vorrangiges öffentliches Interesse daran, ob sich Stefan Effenberg mit seiner Ex-Frau trifft. Da er kein öffentliches Amt bekleidet, kann er sich insoweit auf einen Schutz seiner Privatsphäre berufen und muss die Veröffentlichung eines solchen Fotos nicht hinnehmen.

Beispiel 2: Stephanie von Monaco trifft sich heimlich mit ihrem Leibwächter in einem Hotel. Auch wenn viele Zeitschriften gerade mit solchen Fotos hohe Auflagen erzielen. Für die jüngere Schwester von Caroline gelten die Ausführung der Straßburger Richter in gleichem Maße: Fotos, die sie, wie in dem vorliegenden Fallbeispiel, in einer ausschließlich privaten Situation zeigen, sind ohne ihre Einwilligung verboten.

Beispiel 3: Gerhard Schröder besucht mit einer unbekannten Frau ein Cafe´. In diesem Fall greift eine entscheidende Einschränkung des EGMR ein: Es handelt sich bei der abgebildeten Person um einen Amtsträger. Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden, müssen nach der Entscheidung der Straßburger Richter jedoch in weit höherem Maße als andere Prominente Einblicke in ihr Privatleben dulden. Daher gilt hier: Ein entsprechendes Foto wäre zulässig.

Beispiel 4: Claudia Schiffer geht mit ihren Sohn einkaufen. Bereits seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gilt, dass Bilder von Prominenten-Kindern tabu sind. Auch diese sollen die Möglichkeit haben, sich ungestört zu entwickeln. Allerdings ist dieser Fall nicht ganz unproblematisch. So hat sich Claudia Schiffer mit ihrem Sohn für mehrere Werbeanzeigen fotografieren lassen. Aufgrund dieser Vermarktung könnte der Schutz des Persönlichkeitsrechts eine Einschränkung erfahren haben.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Rechtsprechung in diesen Fällen entwickeln wird.

Beispiel 5: Gerhard Schröder und seine Frau sitzen im Garten ihres Hauses in Hannover In diesem Fall ist ein Foto unproblematisch unzulässig. Zwar haben Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden, nach der Entscheidung des EGMR weitergehende Einschränkungen ihres Privatlebens zu dulden als andere Prominente. Dies kann jedoch nicht zu einer völligen Schutzlosigkeit ihrer Privatsphäre führen.

© Müller-Römer, September 2004/ng

 
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