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Wissenswertes
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Agentur- und Managementverträge – ein steter Quell der Freude?

Das Vermitteln, Betreuen und Managen von mehr oder weniger künstlerisch tätigen Personen ist nach wie vor ein sehr lukratives und gerade auch deswegen heiß umkämpftes Geschäftsfeld.

Da grundsätzlich Vertragsfreiheit herrscht, finden sich immer wieder die „tollsten“ Verträge. Gerne wird dabei missachtet, dass gerade sogenannte Vermittlungsverträge nicht völlig frei vereinbart werden können, sondern bestimmten gesetzlichen Regelungen unterliegen. Zu nennen ist da vor allem das sogenannte Exklusivitätsverbot nach § 297 Nr. 4 SGB III für Beschäftigungsverhältnisse nach § 35 SGB III. Die Vorschriften zeigen schon, dass es hier nicht um ganz einfache Sachverhalte geht. Bei Berufsfußballern bzw. -spielern greift diese Regelung. Bei sogenannten Einzelsportlern (z. B. Tennisspielern, Boxern etc.) greift sie wiederum nicht, weil diese eben nur für ein Einzelevent an einen Turnierveranstalter oder Boxpromoter vermittelt werden.


Gerne - und je nach Gestaltung auch zulässig - werden daher sogenannte Mischverträge abgeschlossen, in denen die Vermittlung und die Erbringung über die Vermittlung hinausgehender Managementdienstleistungen geregelt sind. Hier kommt es aber sehr genau darauf an, wie formuliert wird. Immer wieder stellen wir fest, dass sich ganz offensichtlich nicht jeder damit auskennt. Ob eine vertragliche Regelung gut oder schlecht ist, hängt natürlich immer davon ab, wem sie denn dienen soll. Naturgemäß gibt es Regelungen, die günstig für die Agentur bzw. den Manager sind und andere Regelungen, die günstig für den Künstler sind. Hier muss jede Seite darauf achten, dass im Zweifel die für sie günstigen Regelungen vereinbart werden.


Aus Sicht der Agentur oder des Managers kommt es natürlich darauf an, dass seine Tätigkeit auch angemessen vergütet wird. Wenn er sich also intensiv für den Künstler einsetzt und sich um dessen Platzierung und Weiterentwicklung kümmert, möchte er natürlich auch an den dadurch erzielten Einnahmen angemessen beteiligt werden. Da sich manche Einnahmen auch erst nach Vertragsende realisieren, gibt es häufig Klauseln, die auch dann noch eine Beteiligung des Managers vorsehen. An dieser Stelle ist also darauf zu achten, wie lange und wie hoch diese nachvertragliche Beteiligung noch gezahlt werden soll.


Gleichzeitig gibt es aber auch Klauseln, die sogar eine Beteiligung an Einnahmen vorsehen, die der Künstler durch sein eigenes Engagement vor Abschluss des Managementvertrages „hereingeholt“ hat, die sich aber erst während der Laufzeit des Managementvertrages realisiert haben. An dieser Stelle gibt es regelmäßig Konflikte zwischen Künstler und Management. Gerade hier ist eine besonders exakte Formulierung wichtig.

Denn aus Sicht des Künstlers ist es nachvollziehbar, dass für Engagements, die er nur aufgrund seiner persönlichen Verbindungen realisieren konnte, eine finanzielle Beteiligung des Managements eher nicht angemessen ist. Noch streitiger sind diese Konstellationen, wenn sie während der Vertragslaufzeit auftreten. Der Künstler muss also darauf achten, dass diese Klauseln sehr sorgfältig und präzise ausformuliert werden. Aus diesseitiger Sicht kann nur dazu geraten werden, sich dabei unbedingt anwaltlich beraten zu lassen.


Gleiches gilt z. B. für die Kündigung nach § 627 BGB, der Möglichkeit der fristlosen Kündigung bei Vertrauensstellungen. Dieser Paragraph ist bei Künstlern und Sportlern regelmäßig anwendbar und wird gerade deswegen gerne von Agenten und Managern im Vertrag ausgeschlossen. Dieser Ausschluss ist auch zulässig, aber aus Sicht des Künstlers oder Sportlers natürlich nicht wünschenswert.


Genauso gut aufgepasst werden muss bei der Ausgestaltung der Provisionsabrede, damit feststeht, auf welcher Basis die prozentuale Vergütung des Managers oder Vermittlers berechnet wird. Auch an dieser Stelle kommt es regelmäßig zu Streit über Kosten, die der Künstler natürlich gerne noch abgezogen sehen möchte, während der Manager dies gerne zur Provisionsbasis hinzurechnen möchte.


Diese wenigen Beispiele machen deutlich, dass diese Art von Verträgen für die beteiligten Parteien durchaus ein Minenfeld darstellen, während sie für die Anwälte einen steten Quell wichtiger Beratung darstellen.



© Juli 2013, Stefan Müller-Römer, Alle Rechte vorbehalten

 
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