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Keine Fotos mehr von Kunstwerken?

LG Düsseldorf zu Fotos von Beuys-Kunstaktion

Am Mittwoch, den 29.9.2010, entschied das Düsseldorfer Landgericht, dass das Museum Schloss Moyland Fotografien einer Beuys-Kunstaktion nicht mehr zeigen darf. Das Gericht entschied, dass es sich bei den Aufnahmen um eine unzulässige Umgestaltung des Originalwerks handelt und damit um einen Eingriff in die Urheberrechte des Künstlers Beuys, heute also in die Rechte seiner Witwe.

Die Direktorin des Museums Schloss Moyland, Bettina Paust, kündigte an, Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf einzulegen. Da es sich bei dem Rechtsstreit um einen Präzedenzfall handelt, könnte das Verfahren bis zum Bundesgerichtshof gehen.

Hintergrund

Nach fast einjähriger Verfahrensdauer unterlag das Museum Schloss Moyland der Witwe Eva Beuys in einem Rechtsstreit um 19 Fotografien einer Live-Aktion von Joseph Beuys.

Der Düsseldorfer Fotograf Manfred Tischer hatte die Kunstaktion von Beuys 1964 fotografisch dokumentiert, in der Beuys einen rechtwinkligen kniehohen Bretterverschlag anfertigte, mit Filz auslegte, den so entstandenen Winkel mit Margarine einfettete und einen Mitarbeiter anwies, auf ein Stück Papier auf dem Boden den Satz "Das Schweigen des Marcel Duchamp wird überbewertet" zu schreiben.

Gegen die öffentliche Ausstellung dieser Fotografien hatte die von Eva Beuys beauftragte Verwertungsgesellschaft VG Bild-Kunst mit der Argumentation geklagt, eine Ausstellung dieser Fotos ohne Genehmigung des abgebildeten Künstlers sei eine urheberrechtswidrige Umgestaltung des Werkes des Künstlers. Das Museum hätte die Nutzungsrechte der Fotografien bei der Witwe von Beuys einholen müssen.

Die Beklagte trug vor, es handele sich um kunsthistorisch wertvolles Dokumentationsmaterial und nicht um eine Bearbeitung im Sinne des Urheberrechts. Dieses müsse auch gegen den Willen der VG Bild-Kunst und der Beuys-Witwe ausgestellt werden können.

Vergangenen Mittwoch entschied das Gericht, dass das Museum die 1964 entstandenen Fotos künftig nicht mehr ausstellen darf. Das Gericht folgte damit der Auffassung der VG Bild-Kunst, die in den Fotos eine Umgestaltung der ursprünglich fortlaufenden künstlerischen Handlung in ein fotografisches Einzelbild und damit einen Eingriff in die Urheberrechte des Künstlers sieht. Das Museum Schloss Moyland hätte bei Eva Beuys, Inhaberin der Urheberrechte von Beuys, die Rechte für eine Ausstellung dieser Fotos einholen müssen.

Schwerwiegende Folgen des Urteils

Dieses Urteil könnte schwerwiegende Folgen für Fotodokumentationen von Kunstaktionen, aber auch von Musik-, Theater- und Opernaufführungen haben, da sie nun stets von ihren Urhebern mit dem Argument der unzulässigen Bearbeitung untersagt werden könnten. Die Arbeit von Museen und Fotografen würde erheblich erschwert, wenn sie einer Zensur der Künstler – oder ihrer Erben - unterläge.

Dieses Urteil liegt aber durchaus auf der Linie der zunehmend strengeren Rechtsprechung bei der Abbildung anderer Werke durch Fotografen (s. dazu auch unseren Artikel über Google und die Fotografien von Bauwerken).

In Expertenkreisen löste das Urteil Verwunderung aus. Ute Eskildsen, Leiterin der Fotografischen Abteilung des Museum Folkwang in Essen, sagte der dpa, es gebe viele andere bisher nie beanstandete Fotos von berühmten Beuys-Aktionen: "Warum gerade diese?" Beuys habe immer Fotografen bei seinen Happenings zugelassen, sagt Eskildsen, die selbst bei Aktionen des weltbekannten Künstlers dabei war. Weiterhin führte sie aus, dass jeder Performance-Künstler an der Vermittlung seiner zeitlich begrenzten Aktion interessiert sei und dabei in Kauf nehme, dass der Fotograf diese auch interpretiere.

Es bleibt abzuwarten, wie das Oberlandesgericht Düsseldorf in der Revision entscheiden wird.

© Sophia Croissant, Stefan Müller-Römer, Sept. 2010, Alle Rechte vorbehalten

 
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