Tel.: 0221-272348 -0
Fax: 0221-272348 -99
Mail: kanzlei@wmrk.de
Wissenswertes
  · zu "Wissenswertes"
Urheberrecht im Theater – freie Bearbeitung Kinski-Erben gewinnen Rechtsstreit

Der 6. Zivilsenat des OLG Köln entschied am 31.07.09 in seinem Urteil entgegen dem anderslautenden Urteil des LG Köln, dass die Aufführung des Theaterstücks „Kinski - wie ein Tier in einem Zoo“ künftig untersagt ist.
Die Beklagten waren ein Künstler und der Regisseur aus Köln, diese dürfen das Theaterstück solange nicht aufführen, wie die strittigen Passagen Bestandteil des Stückes sind. Weiterhin haben sie den Kinski-Erben Auskunft über ihre Einnahmen aus dem Stück zuerteilen, sowie den Schaden aus der Urheberrechtsverletzung zu ersetzen.

Im Theaterstück werden zahlreiche Texte aus den von Kinski erstellten Büchern „Jesus Christus Erlöser“ und „Ich brauche Liebe“ sowie aus seiner Gedichtesammlung „Fieber“ verwendet, darüber hinaus Passagen aus einem Stern-Interview und einer Talkshow des WDR. Von dem ca. 50 Minuten langen Theaterstück machen die übernommenen Passagen ca. ein Drittel aus.

Die Kinski-Erben, die Ex-Frau nebst Sohn machten geltend, dass das Theaterstück die von ihnen gehaltenen Urheberrechte verletze.
Die Künstler hielten dem entgegen, dass die Nutzung der Passagen im Rahmen der sog. freien Bearbeitung eines Werkes erlaubt sei.

In der Vorinstanz entschied das LG Köln, dass die Nutzung der Passagen ein legiti-mes Mittel der künstlerischen Gestaltung sei.
Nach der Auffassung des OLG dagegen sind die Künstler nicht zur Verwertung der Kinski-Passagen berechtigt gewesen. Es handele sich nicht um zulässige Zitate, da die Passagen nicht kenntlich gemacht wurden. Die Texte seien vielmehr vom übrigen Text umwoben als eigene geistige Schöpfung dargestellt worden.
Die von den Beklagten angeführte „freie Bearbeitung“ sei nicht ausreichend belegt. Es könne keine Rede davon sein, dass die besondere Eigenart und Selbständigkeit des Theaterstückes die Individualität des geschützten älteren Werkes verblassen lasse, so die Richter. Der nötige Abstand zum Ursprungswerk werde nicht erreicht. Es sei kein neuer Sinn z.B. in Form von einer Parodie gegeben. Beim Vergleich der Aussagen zwischen Kinski und dem Theaterstück ergäben sich keine ausgeprägten Unterschiede, die ein selbständiges Werk ergeben würden.

Die Künstler haften daher dem Grunde nach auf Schadensersatz, der aber noch nicht in der Höhe beziffert ist.

© Alwin Kessler, Stefan Müller-Römer, August 2009, Alle Rechte vorbehalten

 
Kanzlei | Anwälte | Service | Portfolio