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Wissenswertes
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„Screen Scraping“ = automatisierte Datenübernahme -
Verboten oder erlaubt?

Aktuell sehen viele Unternehmen ihre Homepagedaten auf eine neue Weise gefährdet. Durch sog. „Screen Scraping“ werden Daten bzw. Informationen mit Hilfe von Computerprogrammen von Internetseiten ausgelesen (extrahiert). Damit können gegen den Willen des Betreibers der Internetseite Datenbankinformation kopiert werden und in eigenen Diensten zugänglich gemacht werden. Sofern durch den Zugriff die Performance der Seite nicht gestört wird oder anderweitig Probleme auftreten, bleibt es oft unbemerkt.
Rechtssicherheit besteht insoweit nicht, da in zwei Urteilen die jeweiligen Oberlandesgerichte zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

  1. Das OLG Hamburg hat im Urteil (Urt. v. 28.05.2009 - Az.: 3 U 191/08) entschieden, dass es unzulässig sei, durch „Screen Scraping" Inhalte der Ryanair-Homepage auf der Homepage eines Online-Reiseveranstalters zu zeigen.

    Die Fluglinie Ryanair bietet im Internet Flugtickets an. Diese sind laut AGB (engl. = Terms and Conditions) der Fluglinie ausschließlich für Privatpersonen bestimmt, und nicht zum gewerblichen Weiterverkauf gedacht. Die AGB der Ryanair sind in englischer Sprache wiedergegeben.

    Der beklagte Online-Reiseveranstalter bot dennoch die Tickets der Ryanair im Rahmen von Pauschalreisen an. Die Tickets wurden in das Angebot mit eingebunden. Im speziellen Fall wendete die Ryanair ein, der Online-Reiseveranstalter würde zur Flugticketdatenermittlung das Verfahren des sog. "Screen Scraping" einsetzen. Dieses ist in den AGB der Ryanair ausdrücklich verboten.

    Nach Ansicht der Richter war dieses Verhalten des Online-Reiseveranstalters unzulässig. Die Richter führten aus, es sei anerkannt, dass ein Leistungsanbieter die kommerzielle Nutzung seiner Leistungen, insbesondere deren Weiterverkauf, ausschließen könne. Das Anbieten der Tickets durch das Online-Reisebüro gefährde das Image und die Geschäftsprinzipien der Ryanair. Die Richter erkannten an, dass die datenbankbezogenen Urheberrechte von Ryanair verletzt wurden.

  2. In dem Urteil (Az.: 6 U 221/08) des OLG Frankfurt am Main vom 05.03.2009, dass sich ebenso mit dem „Screen Scraping“ beschäftigt, wurde die Problematik folgendermaßen bewertet:

    Die Klägerin, eine Fluggesellschaft, sah sich in ihrem „virtuellen Hausrecht“ durch das „Screen Scraping“ eines Reiseportals berührt, welches die Flüge der Klägerin auf der eigenen Homepage anbot.

    Das OLG sah es als natürliche Funktion einer Homepage an, Daten bzw. Informationen dieser zu entnehmen. Ein Verstoß gegen datenbankbezogene Urheberechte sah das OLG nicht. Begründet wurde dies damit, dass die Flugdaten und Ticketinformation kein wesentlicher Bestandteil einer Datenbank seien.

    Das OLG stellte weiter fest, dass einseitige Ausschlüsse des „Screen Scraping“ nicht wirksam wären. Jedoch bestünde die Möglichkeit, sich technisch gegen das Verfahren zu schützen.

  3. Tipps für den „Screen Scraping“-Schutz

    • Ausschluss des Verfahrens in den AGB
    • Fest vorgegebene Navigationsreihenfolge d.h. nur durch Klicken auf einzelne Links gelangt man eine Ebene weiter in der Homepage. So wird die Problematik der sog. „deep links“ umgangen. Diese ermöglichen den Zugriff auf Unterseiten der Homepage, ohne den Weg über die Startseite gehen zu müssen.
    • Completely Automated Public Turing Test To Tell Computers and Humans Apart (=CAPTCHA). Dann wird ein Test eingebaut, der erkennen soll, ob ein Mensch oder ein Computerprogramm auf die Inhalte einer Homepage zugreift. Sehr populär ist ein zufallsgeneriertes Bild in dem Zahlen oder Buchstaben abgebildet werden. Diese müssen dann vom User in ein Formular eingeben werden. Dies ist für Computerprogramme derzeit kaum zu schaffen.

© Alwin Kessler, Stefan Müller-Römer, August 2009, Alle Rechte vorbehalten

 
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